Nachbericht – Mit dem Jäger unterwegs

Nachbericht Themenwanderung – mit dem Jäger unterwegs
Die Jagd im Wandel der Zeit
Bericht Albert Schrempp/Bild von Claudia Echle

Um in der Jägersprache zu bleiben, Martin Bonath konnte mit 27 Interessierten an seiner jagdkundlichen Führung eine gute Strecke „verblasen“. Aber auch die Teilnehmer äußerten sich am Schluss der Wanderung um den Kesselberg begeistert über die unterwegs erhaltenen Informationen, die der passionierte Jäger, aber auch Heimatforscher, in lockerer Weise über die Entwicklung des Jagdwesens in den Oberwolfacher Revieren vorgetragen hatte.

Den Einstieg bildete eine Einführung in das Jagdrecht um 1500, wo die Eindämmung der „schädlichen Wildarten“ wie Wolf, Bär, Wildschwein u. anderen für die Land- und Viehwirtschaft ungünstigen  Wildarten Vorrang hatte. Diese durften von jedermann bei Abgabe von Balg (Pelz) und Wildbret bejagt werden. Allerdings hatten die Untertanen auch die Pflicht, an herrschaftlichen Hetzjagten als Treiber teilzunehmen. Im 18. Jahrhundert verpachteten die Fürstenbergischen Landesherren das Jagdrecht an die Stäbe (Gemeinden). Diese wiederum vergaben die Jagd an Waldschützen, die ein Schussgeld abzuführen hatten. Die Pirsch auf Waldhühner blieb aber weiterhin ein Vorrecht des Landesherren.

1848 wurde das badische Jagdgesetz erlassen, das den Gemeinden das gesamte Jagdrecht zusprach. 1850 wurde dann eine Forderung der, obwohl erfolglosen Achtunvierziger Revolutionäre, Gesetz. Dieses hat bis heute mit Einschränkungen Gültigkeit. Das Jagdrecht wurde an Grund und Bodenbesitz gebunden. Dies führte zuerst natürlich zu Chaos, weil jedermann auf seinem Grundstück, sei es noch so klein, herumballern durfte. Deshalb wurden später Mindestreviergrößen festgelegt, so dass nur noch wenige „Eigenjagden“ weiterbestanden. Alle anderen wurden in Jagdbezirke eingeteilt, die verpachtet wurden.

Mit der Machtergreifung der Nazis 1934 erfolgte eine Glorifizierung der Jägerei. Angetrieben vom Reichsjägermeister Göring. In diesem Umfeld wurden die Jagdbezirke in Oberwolfach verkleinert, um den damaligen jüdischen Besitzer der „Villa“, den Schokoladenfabrikanten Hildesheim aus der Jägerschaft hinauszudrängen und gleichzeitig dem Forstrat und NS-Funktionär Karl Hauger eine eigene Jagd zuzuschanzen. Nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft übernahm nun die französische Besatzungsmacht die Regie auch über das Jagdrecht. Alle Jäger hatten ihre Waffen abgeben müssen, und nur Franzosen war die Jagd erlaubt. Die „Chasseurs“ waren aber nicht in der Lage, dem in den Kriegsjahren stark vermehrten Wildbestand Herr zu werden, obwohl auch mancher Oberwolfacher in den Hungerjahren gewildert und „geschlingelt“ hat. Gerade die Wildschweine richteten, in der damals für die Versorgung so notwendigen heimischen Landwirtschaft, große Schäden an. Deshalb wurden auch wieder ausgesuchte einheimische Jäger zugelassen.

Heute sind mit Ausnahme der „Eigenjagden“ die Flurstücke in Jagdbezirke eingeteilt, die von der Jagdgenossenschaft (Grundstückseigentümer) an Interessenten verpachtet werden. Interessant waren auch Bonaths Ausführungen zum Thema Wildbesatz. Das uns heute so oft begegnende Rehwild hat sich erst in den letzten 80 Jahren so stark vermehrt, was wohl an den immer milder werdenden Wintern liegt. Der Besatz an Feldhasen hat sich in den letzten Jahren gut erholt. Den meisten war das Vorkommen der Waldschnepfe bei uns neu. Rotwild (Hirsche) gehörten in den 50er Jahren noch ab und zu zur Jagdstrecke. Heute dürfen außerhalb der Rotwildgebiete nur noch durchziehende weibliche Tiere geschossen werden.

Zum Schluss der Tour gab es zwar keinen Kurs in Jägerlatein, aber einige lustige Begebenheiten aus den Aufzeichnungen von Gottfried Rauber, dem Großvater des Wanderführers. Daraus ging hervor, dass man sich früher mehr als heute an das „gar lustig ist die Jägerei“ mit viel Kameradschaft und eben so vielen „Viertele“ gehalten hat.  Eine Begebenheit, die mit einem ausgelassen Abend der beteiligten Jäger endete, war eine Sauhatz im Winter, bei der nicht ein kapitaler Wildschweineber sondern die zahme Muttersau und das Jagdfieber des Harterbauern die Hauptrolle gespielt hat. Damit und mit einem großen Beifall für den Erzähler und Wanderführer endete ein wunderschöner Nachmittag im Wald.